Wisst ihr noch, mein Eintrag zum französischen Impressionist Gustave Caillebotte?
Ich erzählte damals, dass ich mir wünsche, das Bild der Straße in Paris an einem regnerischen Tag einmal in der Realität zu sehen. Tja, ich bin immer noch nicht von Chicago gekommen, bin dem Bild aber trotzdem immer wieder irgendwie begegnet:

Ferris Bueller und Freunde in Ferris macht blau (1986)
Wer den 80er-Jahre Teeniefilm Ferris Bueller’s Day Off bzw. Ferris macht blau gesehen hat, weiß vielleicht noch, dass Ferris und Anhang bei ihrem Trip durch Chicago auch ein kleines Kulturprogramm im Art Institute eingeplant haben. Das war 1986.

Thomas Struth: Art Institute of Chicago II (1990)
1990 machte der deutsche Fotograph Thomas Struth eine Fotoserie in verschiedenen bekannten Museen: dem Louvre, dem Rijksmuseum in Amsterdam und unter anderem auch dem Art Institute of Chicago. Er fotografierte die Gemälde und die Leute vor den Bildern und zeigt uns dadurch irgendwie, dass wir alle nur Betrachter sind. Sieht also so aus, als hätte das Bild in 4 Jahren einen neuen Platz bekommen. Hängt es heute dort auch noch?

Foto von last.fm; Bild von wikipedia
Und jetzt beruhigt mich mal, und sagt mir bitte, dass ich mir das alles nur übertreibe.
(Besonders, weil ich ihn im Moment gerade überall sehe. Aber irgendwas sagt mir, dass “Hey, du siehst aus wie Van Gogh…” ein ebenso schlechter Anmachspruch ist wie “Willst du hochkommen und meine VoPo-Uniform anschauen?”)
Ich war vielleicht so um die 11 Jahre, als ich mein Religionsbuch zum Einschlagen zum Schreibwarenhändler brachte und er mich prompt fragte, ob ich den wüsste, wie der Künstler des Bildes hieße. Ich wusste es nicht. Nach dem Gespräch, das folgte, war ich interessiert und höchst erfreut, als ich einen Kunstband für Kinder fand, in dem Vincent van Gogh (das war nun also der mysteriöse Maler mit Sämann) behandelt wurde. Ich nahm damals alles mit einer kindlichen Selbstverständlichkeit hin- der berühmte Vorfall mit dem abgeschnittenen Ohr schockte mich nicht und so begann eine Romanze mit dem berühmtesten Maler der Welt, obwohl ich damals noch nicht mal sagen konnte, warum ich seine Bilder nun so gerne mochte, warum die Sonnenblumen ein exorbitantes Vermögen wert sind und warum sich alle Welt mit ihm beschäftigt.

Bilder von wikipedia , Foto von mir
Heute, sieben Jahre später, habe ich einige Fragmente für die Antworten dieser Fragen zusammengesammelt und bin der Meinung, dass das Van Gogh Museum in Amsterdam brilliant aufgebaut und sich hervorragend & intensiv mit dem Lebenslauf des Künstlers beschäftigt. Eines ist klar: Es ist geradezu klischeehaft, eine Lobeshymne auf den Maler zu schreiben, der so vermarktet und gehypt wird, dass sogar Action Figuren (with removeable head/ear) von ihm produziert werden - und doch versuche ich mein Pensum von einer Ausstellung pro Jahr zu halten (dieses Jahr sogar zwei: die in der Albertina in Wien & im MoMa) und merke, jetzt, wo ich auf der Suche nach meinem eigenen Strich bin, dass ich vielleicht nur deshalb so mag, weil es Parallelen zwischen uns gibt. Und dass ich jedesmal blöd grinsend durch eine Ausstellung laufe, weil es mich glücklich macht.
Ich stecke mal wieder in den Briefen an seinen Bruder Theo und denk dabei oft an meinen irischen Kunstlehrer, der meinte, dass Van Gogh arm, aber leidenschaftlich gegenüber seiner Kunst war und dass er sogar so leidenschaftlich war, dass wir (der gesamte Kurs von 8 Schülern) mit einem Tropfen seiner Passion für die nächsten 3 Monate aufgeladen wären. Heute versucht die ganze Welt, diese Leidenschaft und Energie in seinem Strich zu finden. Are we passionated about anything?
Wer sich ein bisschen in den französischen Impressionismus hineinliest und dabei ein bisschen gräbt, wird wohl irgendwann auf den Namen Caillebotte, meist in Verbindung mit Claude Monet, stoßen. Caillebotte kam aus einer äußerst wohlhabenen Familie, hatte nach einem abgeschlossenen Studium eine Zeit lang an der Ecole de Beaux-Arts studiert und lernte später die Impressionisten kennen. Er stellte in der zweiten Impressionisten-Ausstellung acht Bilder aus. Später unterstützte er diese, indem er eine Sammlung impressionistischer Bilder aufbaute. Caillebotte war also Maler, Sammler und gleichzeitig ein leidenschaftlicher Bootsfanatiker, der Boote entwarf und selber segelte.

Gustave Caillebotte - Straße in Paris an einem regnerischen Tag (Bild von wikipedia)
Als ich in einem dicken Kunstband über die Impressionisten herumblätterte, den ich mir an einem Regentag in Irland aus der Bücherei ausgeliehen hatte, stieß ich auf die Straße in Paris an einem regnerischen Tag und war verzaubert. Auf den ersten Blick erinnerte es mich an Renoirs Regenschirme, ist aber vom Stil her ganz anders. Sein Stil ist sachlicher und detaillierter als der der Impressionisten und weniger flirrend. Traurig las ich, dass es weit weg im Art Institute of Chicago hängt und ich war mir nicht sicher, ob ich je etwas derart Schönes von Caillebotte zu sehen bekommen würde. Es ist einfach magisch. Dieses Bild ist einfach zum Träumen gemacht, es wirkt auf mich real wie kaum ein anderes.
Die Bremer Kunsthalle meint es gut mit mir und stellt den “wieder entdeckten Impressionisten” in einer Ausstellung vor. Zwar ohne die Straße in Paris, aber mit Gemälden, die mit ihr locker mithalten können. Besonders thematisiert wird Caillebottes Beziehung zum Wasser und seiner Liebe zu Booten, die häufiges Motiv sind. Neben Bildern gibt es Bootsmodelle, Entwürfe und sogar eines seiner Boote zu sehen, welches auf den kuriosen Namen Roastbeef hört.
In einem Raum im Herzen der Ausstellung hängen großformatige Leinwände, die alle Szenen aus dem Leben auf oder am Wasser zeigen: paddelnde Kanufahrer mit Strohhüten, ein eleganter Herr mit Hut am Ruder, Angler am Ufer in modernen Bildausschnitten gemalt, die wie Schnappschüsse wirken. Alles ist in leuchtende Grün- und Blautöne gehalten und die jeweilige Szenerie spiegelt sich im Wasser wieder. Die Bäume bestehen aus vielen kleinen Pinselpunkten. Man kneift die Augen zusammen und dann braucht es nicht viel: Man sieht sich schon selbst im Kanu auf der Yerres, hört das schwappende Wasser, die singenden Vögel und das Rauschen in den Bäumen und fängt an, die Leidenschaft für das Treiben auf dem Wasser zu verstehen.
Über das Wasser - Gustave Caillebotte noch bis zum 05. 10. 2008 in der Kunsthalle Bremen.
Infos auf kunsthalle-bremen.de & ueber-das-wasser.de
Man hat das Gefühl, in der Werkstatt eines ungewöhnlichen Erfinders zu sein. Es rattert und klappert. Der erste Raum: Ein Rad dreht sich unermüdlich im Kreis und wirft gleichzeitig einen Film an die Wand. Das ganze nennt sich “Zeitmaschine” und erinnert an die Anfänge des Lichtspieltheaters.

Zeit, ein großer Faktor dieser Austellung: Figuren, die sich monoton im Kreis drehen. Die Meerjungfrau, die unermüdlich schwimmt, der Vogelstrauß mit den Puppenbeinen, der Falter mit Puppenrumpf. Sie sind gefangen in der Bewegung, ohne Stillstand, ohne Pausen. Ab und zu ruckelt es. Ohne auf die Zeit zu achten, drehen sie sich, und ganz ähnlich wie der Planet, auf dem sie sich befinden, lassen sie sich nicht aus ihren ruhigen Bahnen vertreiben.

Am fazinierensten sind mitunter mich die Schattenspiele, die sich dabei abspielten. Auch sie bewegen sich andauernd, warfen verschwommene Bilder der Installationen an die Wand.

Diese Ausstellung ist verspielt und doch tiefgründig. Gleichzeitig überraschend und ungewöhnlich. Und über die “Auch wenn bewegende Dinge fazinierend sind, sollten sie die Installationen bitte nicht anfassen”-Schilder muss man sich einfach mal elegant wegdenken, um sich ganz von diesen fantasievollen Maschinen verzaubern zu lassen.
Thomas Bartels - Zeitlupe noch bis zum 14. 02. 2008 in der Torhaus Galerie Braunschweig

Wunderschön finde ich schon seit langem die Bilder von Élisabeth Vigée-Lebrun. Sie war die Lieblingsmalerin von Marie Antoinette und fertigte zahlreiche Portraits der französischen Königin und der königlichen Familie an.
Vigée-Lebrun musste während der Französischen Revolution aufgrund ihrer Arbeit am französischen Hofe ins Exil nach Italien fliehen und erhielt auf ihren Reisen viele Aufträge europäischer Adliger.
Zu ihren bekanntesten Portraits zählt sicherlich das Portraits Marie Antoinette mit Rose (links oben). Ich persönlich mag ihre Selbstportraits und Selbstbildnisse mit ihrer Tochter am liebsten.

Mir gefällt es, wie sich die Künstlerin darstellt, oft als Malerin mit Staffelei und Farbenpalette, aber auch als Mutter in liebevollen Umarmungen mit ihrer kleinen Tochter, dargestellt in historischen, fließenden Gewändern und warmen Farben. Auch beim linken Selbstbildnis von 1782 ist alles perfekt abgestimmt: Der Lichteinfall, der Kontrast von rot und weiß, die Farbe der Schleife passend zur Schärpe, elegant abgerundet durch den tropfenförmigen Ohrring.
Bilder: wikipedia





