Was ich so mache, anstatt zu Bloggen oder die 30987 Spam-Comments in meinem Blog zu löschen*: Meinen ersten richtigen Rundgang vorbereiten, Uni-Hausaufgaben, wenig schlafen und durchgedreht24 mitorganisieren.
Durchgedreht24 ist ein sehr schönes Selbstfilmfest aus Braunschweig. In aller Kürze geht es eigentlich nur darum, einen fünfminütigen Film mit einer Kamera und drei eingebauten Begriffen in 24 Stunden abzudrehen… achja– und das alles ohne einen Schnitt. See you there!
* Aber bald bald sind ja Semesterferien, da gibt es dann vielleicht das seit Jahren überfällige neue Blogdesign, mehr Einträge, vielleicht endlich mal eine Vorstellung meinerseits, kreativen Output und Spaß am Bloggen!
London Nights (OT: Unmade Beds) kann man auf den ersten Blick in die Sparte Indie-Teeniefilme stecken, die in den letzten Jahren die Kinos bevölkert haben- nur das ganze nicht auf die Highschool-Art, sondern ein bisschen europäischer.Der Film mit dem in Deutschland eher nichtssagenden Titel handelt von zwei einsamen Heranwachsenden um die 20, die aus ebenso klassischen Teeniefilmmotiven in die Metropole London gekommen sind: Vera aus Belgien versucht auf diese (etwas seltsame Art) über ihren Ex-Freund hinwegzukommen, Axl aus Spanien (oder war es nun doch Portugal?) sucht seinen leiblichen Vater. Beide verbindet die Tatsache, dass sie in einem abgewrackten besetzten Haus in London wohnen, zusammen mit gefühlten 100 anderen Jugendlichen, die wohl auch keine Lust oder Geld auf Zuhause/Couchsurfing/Hostel haben. Trotzdem sind alle hip gekleidet, mit blauen Vintage-Stiefeln, Adidas-Turnschuhen und Moleskine-Notebooks ausgerüstet, tagsüber schlafend (meist in fremden Betten, das erklärt zumindest den englischen Originaltitel), nachts in der Club- und Pubszene London unterwegs, wo sie ihr nicht vorhandenes Geld für Pints ausgeben.
Zudem arbeitet Vera noch in einem kleinen Buchladen, wo sie geschickt Leute davon abhält, Bücher zu kaufen, die etwas mit Liebe zu tun haben.
Soweit, so gut, so einfach und absurd – Vera lernt den mysteriösen “Röntgen-Mann” kennen, mit dem sie zwar ins Bett geht, aber trotzdem nicht mehr als diesen Spitznamen von ihm kennt. Axl hingegen nimmt Kontakt zu seinem Vater auf, hat aber nicht den Mumm, ihm zu sagen, wer wirklich er ist.
Der Film führt uns noch durch zahlreiche Kneipen, Hotelzimmer, zum Strand: Sie trifft sich mit dem anonymen Lover nach dem Motto “Du sagst wann, ich sage wo” an den bevölkersten Stellen der Stadt. Axl dagegen läuft irgendwann heulend durch den Park und dann ist der Film auch zuende. Vera hat ihren Liebhaber wiedergefunden, Axl springt aus einem fliegenden Flugzeug (mit einem Fallschrim, versteht sich).

Der Film versucht, ein Bild der derzeitigen Jugend abzubilden, was ihm meiner Meinung auch irgendwie gelingt. Es wird so viel Wert auf Äußerlichkeiten gelegt, dass das Innere zu kurz kommt.Er versucht so krampfhaft, oberflächlich hip zu sein (Indie-Musik, schöne Vintage & Markenklamotten, Moleskine-Skizzenhefte, Polaroids von ungemachten Betten, Tiermasken- so ziemlich jedes Klischee der jetzigen Blogger-und Flickrszene wird aufgenommen), dass er vergisst, die Hintergründe der Jugendlichen mehr auszubreiten. Was wissen wir über unsere Protagonisten? Eigentlich ziemlich wenig.
Stellenweise kommt der Film ruhig daher, mit langen Sequenzen und Dialogen, die poetisch klingen sollen. In solchen Momenten hat es mich auch nicht gestört, dass die Handlung überhaupt nicht ausgereift war. Eine der schönsten Stellen in dem Film ist die Szene, wenn Vera in Flashbacks erzählt, wie sie sich mit ihrem Freund in einem Irrgarten verlaufen hat. Weil man wirklich etwas über Veras Innerstes erfährt.
Eigentlich wäre es ja okay, wenn diese ganzen kleinen Dinge, diese eigentlichen Oberflächlichkeiten, mit dem der Film sich so sehr beschäftigt, so detailliert gezeigt würden, so dass sie uns mehr über den Charakter der Menschen erzählen würden. Dann wäre der Film sogar gerettet – aber nein, es bleibt bei der Oberfläche: Vera klebt sogar die Polaroids lieblos in ihr Skizzenbuch. Da haben wir selbst von Kirsten Dunst in crazy/beautiful (2001) ein besseres (und authentischer wirkendes) Beispiel gesehen.
Zudem wirkte der Film auch so wie eine Filmfassung der britischen Jugenderie Skins, nur dass diese es im Gegenteil zu London Nights schafft, das Leben und die Probleme der Heranwachsenden (trotz ausgiebig langer Partyszenen) ernsthaft abzubilden, anstatt sie nur anzukratzen.Auch wenn es jetzt nicht so rüberkommt, hat mir der Film trotzdem gefallen, weil ich irgendwie die heutige Zeit darin gespiegelt sah und mir Veras Storyline mit der Zeit ans Herz gewachsen ist. Aber über ein “ganz nett” kommt er einfach nicht hinaus.
Nachdem ich schon das Einjährige meines Blogs verschlafen habe, kümmere ich mich nun darum, eine kleine Tradition weiterzuführen… meinen cineastischen Jahresrückblick. Leider fielen meine Kinobesuche in diesem Jahr ziemlich mau aus, an guten Filmen hat es mir trotzdem nicht gemangelt.
1. Into the Wild - Sean Penn
Ich messe diese Wahl am Wirkungsgrad des Filmes, und dieser Film wollte mir nach zwei Wochen nicht aus dem Kopf gehen. Liegt zum Teil daran, dass ich für den Stoff, den der Film behandelt, schon immer sehr empfänglich war und mich schnell für Aussteigergeschichten begeistern konnte. Vielleicht aber auch daran, dass es wirklich ein großartiger Film ist – mit sauber ausgewählten Schauspielern, einem grandiosen Soundtrack und umwerfenden Naturaufnahmen ist, die dich im Kino fast erschlagen.
2. Once – John Carney
Dieser kleine Film ist schon zwei Jahre alt. Diese Zeit hat er allerdings sinnvoll genutzt- um von Irland aus über den großen Teich zu schippern und ganz Hollywood eine wirkliche Harke zu zeigen.
3. The Oxford Murders - Álex de la Iglesia
Auf diesem Platz könnten eigentlich etliche Filme stehen. So ganz konnte ich mich nicht einigen, aber The Oxford Murders war mit Abstand der Film, der mich in diesem Jahr am meisten überrascht hat. Ich hatte nämlich mit wenig bis gar nichts gerechnet – und bekam eine kriminell-raffinierte Mischung aus Philosophie und Mathematik, die mich total umgehauen hat. Und das, obwohl ich weder Krimis noch Mathe mag.

Danke, M.: Jetzt kann ich mich jeden Tag ein bisschen wie Stéphane fühlen und unter meiner Andenmütze in Traumwelten versinken (nur dass meine Mütze noch toller ist!).

Wir waren da – an einem warmen Tag im März, nach der Fahrt mit der S-Bahn ins Westend Berlins- nach einigem Suchen zwischen netten Häusern und vielen Hausnummern. Als wir davor standen, wussten wir nicht recht, ob das nun wirklich das Ziel unserer kleinen Reise war- alles sah so verändert und ordinär aus – und das sollte es ja auch. War es nun die richtige Hausnummer oder gab es noch einen kleinen Imbiss, der es sein könnte? Wir entschieden uns, das Essen nun auch zu testen (wenn wir denn schonmal da waren, das musste es sein). Die Möbel standen anders, die Theke war am anderen Ende des Raumes – was ist denn heute noch real im Fernsehen? – und nichts deutete auf 86 Folgen hin, die dort gedreht wurden. Wir bestellten, aber das Essen schmeckte mir nicht (die Sojasoße war dann doch zuviel des Guten), und dann zogen wir schon wieder von dannen. Zuhause musste ich erstmal nachschauen, ob ich wirklich am richtigen Ort gewesen war.
Natürlich ist es ein wenig albern, nach einem Ort zu suchen, der real und doch fiktiv ist- vor allem, wenn es sich um eine Fernsehserie handelt- aber lustig war es dennoch. Das nächste Mal betreibe ich vielleicht weiter Kinotourismus und suche Herrn Lehmanns Restaurant mit Schweinebraten.
Nach so viel Geschwärme nun ein Eintrag:
Ein Straßenmusiker, der mit seiner kaputten Gitarre in der Dubliner Fußgängerzone steht. Eine tschechische Immigrantin, die kein Geld für ein Klavier hat und deswegen hin und wieder im Musikgeschäft spielt. Die beiden stoßen aufeinander- oder besser: sie auf ihn- machen gemeinsam Musik und trennen sich wieder.
Die Handlung des irischen Independent-Films once ist nicht gerade kompliziert. Trotzdem schafft es Regisseur John Carney, etwas Besonderes zu präsentieren: einen Film, der es immer wieder schafft, ein Lächeln hervorzurufen.

Authentizität ist eines der wirkungsvollsten Stilmittel des Filmes. Die Hauptfiguren wirken wie aus dem Leben gegriffen- was auch daran liegen könnte, dass es sich bei den Schauspielern um eigentliche Musiker handelt.
Die wackelige Handkamera erzeugt den Eindruck eines Dokumentarfilms und zeigt, worum es hier wirklich geht: Eine Momentaufnahme einer durchaus realistischen Begegnung. Auch die Tatsache, dass die Charaktere von Glen Hansard und Markéta Irglová den ganzen Film namenlos durch die Gegend laufen, und, wie die meisten Personen im Film, mit so etwas Austauschbaren wie “guy” und “girl” aufgelistet werden, verwundert nicht wirklich. Denn diese Geschichte könnte nahezu in jeder großen Stadt, in jeder Fußgängerzone spielen.

Doch in diesem Musical nimmt neben diesen filmischen Stilmitteln eben die Musik den größten Platz ein. Obwohl die Bezeichnung Musical auch etwas fehl am Platz wirkt, denn hier gibt es keine tanzenden Menschenmassen und Choreografien. So dient die Musik zwar dem Ausdruck von Gefühlen, aber auf eine realistische, viel stärkere Art. Einfach erscheint auch die Auswahl der Instrumente: Klavier, Gitarre. Aber Zeilen wie Take this sinking boat and point it home berühren und zeigen die Hoffnung, die die Musik den Charakteren zu geben vermag.
In Wirklichkeit passt die Bezeichnung Musikfilm wohl besser- ein Film, der die Liebe zweier Personen zur Musik und die Freude am Musizieren zeigt. Musik verbindet- was sich in once wieder einmal zeigt. Denn schon bei “Falling slowly”, dem ersten gemeinsamen Stück, lernen sich zwei Menschen kennen und sind bald durch Musik vereint.

“How often do you find the right person?” fragt der englische Untertitel des Filmes, und gibt mit once sogleich Antwort. Doch ersten Erwartungen entgegen ist die “richtige” Person hier nicht die große Liebe eines Lebens, sondern die richtige Person im richtigen Moment. Die Person, die den Moment verändert, dich aufbaut und dich dazu ermuntert, dein Leben anders weiterzuleben als zuvor.
Die Oscars sind mir unsympathisch. Irgendwas gefällt mir einfach nicht. Vielleicht ist es dieser Hype, der Jahr für Jahr darum veranstaltet wird, das ewige Besprechen der Kleidung, das endlose Abzählen von Trophäen, das abgeschliffene Geglitzer auf einem Teppich, der auch nur rot ist. Oder auch nur die Auswahl der Filme.
Aber was mir heute dennoch eine riesige Freude und Jauchzen vor dem Fernseher bereitet hat:
Glen Hansard and Marketa Irglova nahmen nämlich den Oscar für “Falling Slowly” als besten Song für den Independent-Film “Once” entgegen. Hansard bedankte in wunderbarem irischen Akzent und Marketa Irglova wurde, nachdem man sie zuerst abgewürgt hatte, nochmals auf die Bühne geholt, um sich zu bedanken.
Dazu: Die Litfaßsäule vom 02.11.2007.
Ich muss nun doch auch noch einmal meinen Senf zum Thema Jahresrückblick abgeben und meine cineastischen Favoriten aufschreiben. Das erste halbe Jahr verbrachte ich im Ausland, zwischen Soaps, Cartoons, abendlichen Ballerfilmen und gelegentlichen Arthouse-Kino-Besuchen, deswegen gibt es dort nicht viel zu melden. Meine herausragenden Filme aus 2007 beziehen sich deswegen auf das zweite Halbjahr.
1. Auf der anderen Seite – Fatih Akin
Wir stiefelten, angetrieben vom Akin-Fieber ins Kino und sahen einen Film, der ruhig und laut zugleich war, emotionsgeladen und voller Spannungen, wie ein Netz verworren, aber doch zu durchschauen, über Schicksal und Zufall und über die Familien. Als wir wieder hinaus kamen, waren die Bilder in den Köpfen und mochten sobald nicht wieder daraus verschwinden. close to perfect.
2. Am Ende kommen Touristen – Robert Thalheim
Dieser Film ist so eine neue, moderne Methode, an das Thema des Nationalsozialismus heranzugehen, fast meine Sicht der Dinge. Sven wollte eigentlich Zivildienst in Amsterdam ableisten, kommt stattdessen ins polnische Örtchen Oswiecim, das unter deutschem Namen Auschwitz ein Symbol für Völkermord wurde. Der Film ist eine Begegnung mit der Geschichte des eigenen Landes, aber auch kritischer Blick auf die heutige Politik.
3. Wir sagen Du! Schatz. - Marc Meyer
Als ich aufgrund des Braunschweiger Filmfests erst um halb 2 im Bett lag, bereute ich die Entscheidung nicht. Gezeigt wurde ein Kurzfilm, dann ein wunderbarer Langfilm mit anschließendem Regisseur-Ausfragen. Oliver wünscht sich eine Familie, also klaut er sich eine zusammen und mauert alle in einem Berliner Hochhausstockwerk ein. Der Film ist unterhaltsam, gewitzt, doch hintergründig und mit dem besten Lacher am Schluss.





