Was ich so mache, anstatt zu Bloggen oder die 30987 Spam-Comments in meinem Blog zu löschen*: Meinen ersten richtigen Rundgang vorbereiten, Uni-Hausaufgaben, wenig schlafen und durchgedreht24 mitorganisieren.
Durchgedreht24 ist ein sehr schönes Selbstfilmfest aus Braunschweig. In aller Kürze geht es eigentlich nur darum, einen fünfminütigen Film mit einer Kamera und drei eingebauten Begriffen in 24 Stunden abzudrehen… achja– und das alles ohne einen Schnitt. See you there!
* Aber bald bald sind ja Semesterferien, da gibt es dann vielleicht das seit Jahren überfällige neue Blogdesign, mehr Einträge, vielleicht endlich mal eine Vorstellung meinerseits, kreativen Output und Spaß am Bloggen!

Wenn man ein Stück auf die Beine stellt, ist man nicht nur Schauspieler. Man ist Dramaturg, Bühnenbildner, Maske und Organisator zugleich. Nun bleiben uns nur noch wenige Tage bis zur Premiere – auf die wir zwei Jahre lang hingearbeitet haben.
Doch was bringt 16 Oberstufenschüler aus Braunschweig dazu, an einem Stück über die DDR zu arbeiten? Aus einem schlichten “Ich mag Sonnenallee” wurde schnell mehr: Gespräche mit Zeitzeugen, Gleichaltrigen und Eltern, Recherche am Grenzübergang in Marienborn, gemeinsames Studieren von Stasi-Akten, Büchern und Filmen.
Herausgekommen ist die Geschichte einer jungen Frau, die sich auf die Suche nach ihrer eigenen Geschichte macht und sich auf eine Zeitreise in die 70er Jahre bis heute begibt. Dabei erfährt die einiges über das Schicksal ihrer Mutter und deren Freunden – erzählt in ernsten und auch heiteren Episoden. Mit Liveband und musikalischen Elementen.
Ich freue mich über jeden einzelnen Besucher.
Die jungen (und alten) Leute der Region, von denen man sich beiweilen fragt, wo sie tagsüber denn geblieben sind, standen am 12. September vor dem kleinen Theater in einer langen Schlange, um einen Stempel mit der Aufschrift DRINGEND aufgedrückt zu bekommen – die Eintrittskarte zum 16. Braunschweiger Poetry Slam, der damit auch gleich sein 10. Jubiläum feiern wollte. Wie auch viele der Teilnehmer war auch ich eine Debütantin – allerdings als Zuschauerin. Mit Filmen ist das so ähnlich: Man weiß schon vorher, dass man ihn mögen wird, verpasst dann aber jede Filmvorstellung, und erwischt irgendwann (sehr viel später) die Chance, ihn doch noch zu sehen- und natürlich mag man ihn. Besser spät als nie oder so.
Die Darsteller waren 12 Teilnehmer, eine Jury aus Zuschauern, eine Moderation, die leider nicht so schnell Punkte zusammenrechnen konnte wie die Klugscheißer aus dem Publikum und das Ziel, einen poetischen, selbstgeschriebenen, klangvollen Text in 5 Minuten vorzutragen. Das Inhaltsspektrum war groß und reichte von Wacken über Liebe zu einem Klorohrbruch. Manchmal langsam und betont wie ein Schulkind und mit zerknülltem Zettel abgelesen, manchmal schnellundmitvielenWorteninmöglichstwenigZeitvorgetragen, ließen sich Debütanten und erfahrene Slammer schon unterscheiden – was das Ganze nur noch interessanter und abwechslungsreicher machte. Mit altbekannten Gedichten hatte das Ganze doch in allen Fällen wenig zu tun: Junge, schlagfertige, wortwitzige Texte mit vielen Lachern kamen in fast allen Fällen dabei heraus, dazwischen auch Denkanstöße und immer wieder das harte Urteil danach. Die Luft wurde Vortrag für Vortrag dicker, so dass man sich wunderte, dass die Slammer auf der Bühne überhaupt noch etwas Luft bekamen.
Ein wenig schade, dass die erfahrenen Slammer der Runde – im Gegensatz zu den Debütanten- nahezu alle schnell und viel sprachen, überzogen und damit ins Finale einzogen- was eine grandiose Leistung war, aber mochten wir doch die präzise Beschreibung einer Teetantenrunde eines Erstlings am liebsten.
Als die Gewinner am Ende auf der Bühne stehen und ihre Buchpreise in den Händen halten, frage ich mich, wie man es schafft, Alltagsmomente in so poetisch einzupacken und lebenswichtige Fragen, die man oft verdrängt, so präsentiert, dass sie einem wirklich zu Herzen gehen.
Das erste Mal bleibt selten das letzte.
Best of Lesung des 16. Braunschweiger Poetry Slam am 10. 10. 08 im Roten Saal
Man hat das Gefühl, in der Werkstatt eines ungewöhnlichen Erfinders zu sein. Es rattert und klappert. Der erste Raum: Ein Rad dreht sich unermüdlich im Kreis und wirft gleichzeitig einen Film an die Wand. Das ganze nennt sich “Zeitmaschine” und erinnert an die Anfänge des Lichtspieltheaters.

Zeit, ein großer Faktor dieser Austellung: Figuren, die sich monoton im Kreis drehen. Die Meerjungfrau, die unermüdlich schwimmt, der Vogelstrauß mit den Puppenbeinen, der Falter mit Puppenrumpf. Sie sind gefangen in der Bewegung, ohne Stillstand, ohne Pausen. Ab und zu ruckelt es. Ohne auf die Zeit zu achten, drehen sie sich, und ganz ähnlich wie der Planet, auf dem sie sich befinden, lassen sie sich nicht aus ihren ruhigen Bahnen vertreiben.

Am fazinierensten sind mitunter mich die Schattenspiele, die sich dabei abspielten. Auch sie bewegen sich andauernd, warfen verschwommene Bilder der Installationen an die Wand.

Diese Ausstellung ist verspielt und doch tiefgründig. Gleichzeitig überraschend und ungewöhnlich. Und über die “Auch wenn bewegende Dinge fazinierend sind, sollten sie die Installationen bitte nicht anfassen”-Schilder muss man sich einfach mal elegant wegdenken, um sich ganz von diesen fantasievollen Maschinen verzaubern zu lassen.
Thomas Bartels – Zeitlupe noch bis zum 14. 02. 2008 in der Torhaus Galerie Braunschweig





