14.05.2013

lavender jacket

Meine gestrickte Lavender Jacket (wie hier angekündigt) hat sich kurz nach ihrer Entstehung zu einem meiner Lieblingskleidungsstücke entwickelt. Weiche Merinowolle, fluffiges Patentmuster, wärmespendend an Frühlingstagen sowie Sommernächten. Ein bisschen Omihaft und noch breitere Schultern davongetragen, aber schnell drübergeworfen, zum Kleid, zur Hose, zum Schlafanzug.
Nun, über mehr als zwei Jahre lang intensiv getragen, sieht sie immer verranzter aus. Ausgeleiert ist sie, aber schlimmer: Die verwendete Wolle pillt ungefähr so gut wie dein alter Polyesterpullover. Ein aus Restwolle gestricktes Paar Handschuhe sah nach wenigen Wochen so aus, als wäre es hundert Jahre alt. Da geht sogar dem Knötchenrasierer die Batterie aus. Schön ist was anderes, als das Gefühl, sich immer mehr Fussel aus der Jacke rupfen zu müssen.

Unbenannt
Foto von Marie: Die Jacke in ihrer Hochphase

Aufribbeln ist jedenfalls keine Option. Das geht schon nicht mehr, weil die Fasern sich zu sehr verbunden haben. Ich denke also ernsthaft über eine Wiederaufnahme des Projektes nach, andere Farbe, andere Wolle. Ob sich die liebe Mühe lohnen würde, weiß ich nicht. Dabei sind Heidi Grønvold und Anna Enge von Pickles meine heimlichen Heldinnen im Bereich Strickmuster: Cooles, zeitgemäßes, skandinavisches Design. Es gäb einen Haufen Projekte, in die man stattdessen seine Zeit und sein Geld investieren könnte: Den Crop Cardigan, den Himbeerpullover oder den Wimpelponcho (dazu im Hinterkopf die alte Leier: Brauche ich überhaupt irgendetwas davon?). Was auch passiert, es passiert jedenfalls nicht mehr mit der verführerisch weichen Zitron Nimbus.

2 Kommentare
06.05.2013

dear reader

Dear Reader, zweimal erlebt im letzten Sommer: Einmal, unter grünem Blätterdach, gummibestiefelt und vom Regenschirm von Tropfen geschützt. Die Plakate kannte ich, vielleicht ein Lied, mehr nicht: Gänsehaut hab ich trotzdem bekommen.
Zweites Mal: Sonne auf dem Zeltdach, leise mitsingend und mit Tränen in den Augen. Die sympathischte Band des Sommers war es wohl, und die Musik, die mich am meisten berührt hat.

Ein neues Album, ernster und gewaltiger klingt es, an vielen Stellen wie ein Kirchengospel; Kopf Cherilyn MacNeil verarbeitet darin ihre südafrikanische Kindheit und Herkunft. Das erste Video zeigt südafrikanische Bergmänner um die Jahrhundertwende in naiver Scherenschnitt-Technik.

Ich werde ein drittes Mal dabei sein, zum Tourauftakt in Hannover, am 08. 05. Weitere Termine auf der offiziellen Webseite.

0 Kommentare
05.05.2013

shadows

Unbenannt

the collector

inga

Diese Fotos entstanden vor fast zwei Jahren. Jeder Jahrgang unseres Studienganges fährt in seinem zweiten Semester auf Exkursion– und jeder Student bekommt ein Skizzenbuch, welches er auf der Reise mit seinen Eindrücken füllen wird. Wir schliefen in Blockhütten auf dem Campus in Enschede, hatten morgendliche Begegnungen mit kalten Freiluft-Duschen und fuhren nachts im Wassertaxi durch Rotterdam.
Die Skizzenbücher werden nun ausgestellt. Ich kam in der Nacht der Vernissage mit einem seltsamen Gefühl nach Hause: so als wäre ich nochmal in meine eigene Vergangenheit gereist, aber auch in die der 82 anderen Studierenden und Professoren, die ihre Skizzenhefte ebenfalls ausstellen.

Skizzenhefte 2009 – 2012 in der Jungen Kunst in Wolfsburg. Noch bis zum 29. Juni 2013.

0 Kommentare
10.03.2013

erasmus cliché part two

„Hätt ich ja nicht von dir gedacht“ war eine der netteren, „Hol dir keine Geschlechtskrankheiten“ eine der weniger netten Bemerkungen, die ich bekam, sobald ich von meinen Auslandsplänen berichtete. Valencia? Spanien? Dann wurde ich eingehend gemustert, und im Gesicht meines Gegenübers sah ich schon, wie sein Gehirn sich mich Sangriaschlürfend am palmengesäumten Strand vorstellte.
Wenn meine Freunde ein Land für mich gewählt hätten, wäre die Wahl wohl auf Frankreich, Norwegen oder Schweden gefallen. Beinah wär auch genau dies eingetreten – denn warum, warum in aller Welt sollte man in das Land gehen, das das absolute Klischee eines studentischen Auslandsaufenhaltes darstellt? Warum noch eigene Erfahrungen sammeln, wenn sich 70% der Erkenntnisse mit einem Filmabend von L’auberge espagnole decken? Warum in ein Land gehen, dass sich erst in vielen Jahren von dem langen Atem der Krise erholen wird, in dem Jugendliche resignieren und mit leuchtenden Augen von Deutschland erzählen, dem Land von Milch und Honig Arbeit?

well.

Die Antwort ist wohl: Ich wollte einmal in meinem Leben das Gegenteil von dem tun, was man von mir erwartete. Ich habe aber auch nach einem Ort gesucht, an dem ich eine neue Sprache lernen kann (und kein Englisch), in dem ich mich gleichzeitig in meinem Studium weiterentwickeln und eine Kultur kennen lernen konnte, die mit meinen bisherigen Auslandserfahrungen wenig zu tun hatte. Und ich bin sehr froh, dass ich jetzt sagen kann, dass ich die Entscheidung nie bereut habe und das eben diese provinzielle Großstadt im Rückblick der perfekte Ort für mich war.

montañas

Ich war mir ebenfalls der „Gefahr“ der großen Erasmus-Szene in Spanien bewusst– ich wusste im Vorfeld, dass die Chance, auf Deutsche zu treffen, in Valencia sehr hoch ist. Ich wusste auch, dass es „Erasmusser“ gibt, die in ihrem Aufenthalt wenig bis so gut wie kein Spanisch sprechen und dass die Erasmus-Szene in Spanien mitunter ziemlich kommerzialisiert ist– von Paella-Parties, Tages- und Wochenendausflügen und Aquariumsbesuchen ist da so ziemlich alles dabei. Wie man damit umgeht? So wie in eigentlich jeder Lebenssituation: Erasmus ist das, was du daraus machst. Ich habe Studenten gesehen, die langsam vor Heimweh eingingen, und die eigenen vier Wände eigentlich kaum verließen. Dann gab es die, die zum ersten Mal in ihrem Leben dem Nest der Eltern entflogen waren, und dies jeden Moment ausnutzten (Hausparties und lange Nächte inklusive). Solche, die sich von allem distanzierten und sich ihre eigenen Wege suchten. Aber vor allem die, die neugierig und offen blieben, fünf Monate lang. Die sich nicht von kleinen (Stress mit den Mitbewohnern) oder großen Niederlagen (Geld, Kreditkarte, Ausweis weg) einschüchtern ließen.

alcachofas

Für mich war es auch ein kleiner Urlaub von meinem bisherigen Leben. Neue Dinge ausprobieren, seien sie auch nur so klein: Artischocken probieren. Tintenfische zubereiten. Zum ersten Mal CouchSurfen. Mal wieder alleine reisen. Zum ersten Mal seit bestimmt 10 Jahren im Mittelmeer schwimmen. Von einem drei Meter hohen Berg in einen kalten Gebirgssee springen. Einmal das Gegenteil sein, von dem, die ich sonst bin. Ein neues Strickprojekt beginnen. Dinge gelassener nehmen. Mein lang verlorenes Fernweh wiederfinden.

i made this myself

Aber auch: Mehr arbeiten. Endlich die Projekte anfangen, die schon seit Monaten auf der Festplatte herumlagen. Die Mails schreiben, die ich schon lange schreiben wollte. Pünktlich um 8 Uhr morgens in der Uni zu sein, um die Zeit in der Werkstatt auszunutzen. Zum ersten Mal von mir entworfenen Schmuck verkaufen.
Das Phänomen Erasmus lässt sich so einfach nicht in Worte fassen. Es fühlte sich oft an, als wäre man Teil einer großen, eingeschworenen Gemeinde: Manchmal begegnete ich Spaniern, deren Erasmus-Aufenthalt schon Jahre zurücklagen, aber die immer noch mit leuchtenden Augen davon erzählten, wie sie zum ersten Mal in ihrem Leben selbstständig, weit weg von der Familie lebten (denn in Spanien ist es nicht unüblich, dass man zum Studieren bei seinen Eltern wohnen bleibt). Auch Erasmus und ich sind Freunde geworden. Selbst wenn gruselig viele Erfahrungen 1:1 mit denen aus L’auberge espagnole übereinstimmten.

1 Kommentar
06.03.2013

Ich treffe ein Mädchen– sie ist die erste Irin, die ich in dieser Stadt treffe. Es stellt sich schnell heraus, dass sie aus dem selben Vorort stammt, in dem ich einmal für fünf Monate lebte, und dass sich ihre Schule direkt neben dem Haus meiner Gastfamilie befand.

0 Kommentare
02.02.2013

Manchmal stolpert man über eine Sache, wenig später stolpert man nochmals darüber, und dann ergeben sich Muster.
Jeder hat als Kind ein Lieblingsspielzeug, meines war ein Stoffhase. Ich weiß nicht, wie sehr einen so etwas prägt, aber nun begegnen mir Hasen.

Dürers „Junger Hase“

An diesen Moment wurde ich wieder erinnert: Dürers jungen Hasen sah ich vor vielen Jahren in der Albertina in Wien. Es war ein ruhiger Tag in der Albertina, ich war die einzige Besucherin vor der Zeichnung. Ich konnte mir sie sehr lange und sehr intensiv anschauen, die feinen Haare, die Augen betrachten.

Das Hasenfenster in Paderporn

Bilder von Wikipedia

Im Reisemagazin der Deutschen Bahn (haha! tatsächlich!) las ich einen Artikel über das Hasenfenster am Paderborner Dom. Ich war noch nie in Paderborn und hatte auch noch nie vorher davon gehört, aber die drei Hasen mit den drei Löffeln faszinieren mich. Ich weiß nicht, warum. Es hat diese geniale Simplizität, sieht so zeitlos aus.

Trendtiere in der Mode und Popkultur gibt es immer wieder; ich weiß nicht, wie viele Eulen und Füchse ich in den letzten Jahren gesehen habe, dann gab es plötzlich seltsame Tiger und kitschige Wölfe. Ich bin gespannt, was da noch kommen mag. Nur bei mir sind es heute Hasen.

0 Kommentare
26.01.2013

In einer der engen Straßen der Innenstadt Valencias, an einem sonnigen Januartag, auf meinem Nachhauseweg: Eine Gruppe junger Erwachsener führt eine Wasserballschlacht; die eine Hälfte vom Balkon aus auf die Straße, die andere Hälfte von der Straße auf den Balkon. Passanten beschweren sich lautstark, oder flüchten geduckt am Geschehen vorbei. Ich lächle.

2 Kommentare
20.01.2013

the tale of two wanderers

the tale of two wanderers

the tale of two wanderers

1 Kommentar

© sheepish.de