29.07.2015

Es sah so aus, als ob der Sommer vorbei war. Ihm sollte es recht sein. Er mochte den Sommer zwar gerne, es war die schönste Jahreszeit in Berlin und er hatte nie verstanden, warum die Leute ausgerechnet im Sommer in den Urlaub fuhren, aber andererseits hatte der Sommer auch immer so etwas Forderndes, im Sommer wurde Herr Lehmann immer von dem Gefühl bedrängt, er müßte aus dem schönen Wetter etwas machen, etwas mit Freunden unternehmen oder so, Grillen, Ausflüge machen, an Badeseen fahren … alles Aktivitäten, auf die Herr Lehmann keinen großen Wert legte, die auch bei seinen Freunden nicht hoch im Kurs standen, deren theoretische Möglichkeit ihm aber das Gefühl gab, etwas zu verpassen, geradezu zu verplempern. Den Rest des Jahres war es einfacher. – Sven Regener: Herr Lehmann

Es sieht so aus, als ob der Sommer schon vorbei ist. Willkommen zurück in Norddeutschland.
Internetschnipsel, die mir trotzdem ein kleines Gefühl von Sommer geben:

1. Max Scharnigg schreibt über ein altes, hierzulande längst vergessenes Konzept der großen Ferien.
2. In die Reality Studio Sommer-Kollektion von 2014 würde ich auch noch im Sommer 2015 gerne hüllen.
3. Im Herbst habe ich meine Lieblings-Erasmus-Freundin in Marseille besucht. Es war ein kleines, magisches Wochenende & ich träumte plötzlich von einem Ferienhäuschen und davon, jeden Sommer wiederzukommen. Diese Bilder zeigen das, was wir uns bei strömendem Regen anschauten.
4. Lina zeigt, wie der Sommer in Buenos Aires aussieht, wenn bei uns gerade Schnee liegt.

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22.07.2015


»Ei wei weiß« – Unser nicht-veganer Beitrag für das diesjährige durchgedreht24-Selbstfilmfest.

Goldenen Fleischwolf gewinnen: Check.
Lieblingsthema auf diesem Blog: Mein alljährlicher Rummel um das durchgedreht24-Selbstfilmfestival. Die Regeln sind einfach: 24 Stunden Zeit für fünf Minuten Film, kein Schnitt, kein Schlaf. Für mich jedes Mal wieder das beste Gefühl, total fertig mit Freunden im Screening zu sitzen und sich anzuschauen, was die anderen Teams produziert haben. Umso erschreckender also, dass ich – nachdem wir unser erstes Bühnenbild und unsere erste Idee im wahrsten Sinne des Wortes zersägt hatten – überhaupt keine Lust mehr auf das Wochenende in orange hatte. Nach 24 Stunden, tausend Diskussionen und viele zerbrochene Eier später, gaben wir »Ei wei weiß« ab und machten uns bei der Gala eigentlich keine besonders großen Hoffnungen. Bis wir dann das erste Bild sahen und der Kinosaal durch ein lautes Gekreische unsererseits beglückt wurde. Die Freude ist groß, aber die Freude ist noch viel größer, tolle Menschen um sich herumzuhaben, die so einen Quatsch durchziehen und die dich auch noch mögen, wenn sie dein übermüdetes Ich um fünf Uhr morgens kennengelernt haben.

Alle Beiträge sind mittlerweile auf dem durchgedreht24-YouTube-Kanal online, die beste Beschäftigung für einen verregneten Sommertag.

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11.07.2015

Irgendwann kommt der Punkt, an dem man alles, was man als Teenager misstrauisch beäugt hat, anfängt, gut zu finden: Pop und Pyrotechnik, Twitter und Deutsch-Rap. Ohne die Kraft von Bambule wäre ich in Valencia verzweifelt, ohne Chefkets Identitäter-EP hätte ich meinen Bachelor sicherlich nicht bestanden, Reime und Zeilen schleichen sich ein in Gedanken und Playlisten.
Können wir bitte über die letzten Monate sprechen? Die waren nämlich ein innerliches Fest, ein freudig-hibbeliges Warten von Release zu Release; spannender, als Weihnachten je wieder sein wird.
 


Fabian Römer feat. MoTrip: »Kalenderblätter« aus dem gleichnamigen Album

Fabian Römer, ehemals F.R., Braunschweiger, Geburtsjahr 1990, somit parallel wie ich in der gleichen Stadt aufgewachsen. Ein Hip-Hop-Wunderkind geschimpft, erstes Album 2004, im Zwei-Jahres-Takt immer neue Alben. 2011, dann: Stille. Vier Jahre lang Ruhe, kein Update. Ich hab’ still gehofft: Da kommt was Großes. Das Große kam, es heißt Kalenderblätter und ist sein bisheriges Meisterwerk, ein klangvolles Album, das seinen Hip-Hop-Hintergrund trotzdem nicht verneint. »Wenn wir nichts aus dem Staub machen können, schauen wir doch, dass wir etwas aus dem Staub machen können«: Eine musikalische Wiedergeburt nennt man das wohl. Römer macht sich weit auf, wagt den Sprung ins Private und nimmt Abstand zum jungen F.R., reflektiert in Songs wie »Dominoleben« das Auf und Ab der Generation Y. Und ein »Nur für uns«, das unbeschwert wie eine Ode an die Jugend daherkommt, wird in der letzten Minute entzaubert: Als Lehrstück über das Erwachsenwerden und Auseinanderleben.
 


Gold Roger: »MLXMLK« aus dem Mixtape? Album? Räuberleiter

Ein Künstler, der seinen Namen sicher nie in einem Atemzug mit Römer lesen möchte, aber weil mir das nunmal ziemlich schnuppe ist, bitteschön: Gold Roger hat Videobattleturniere wieder spannend gemacht. Der Dortmunder kam vor einem Jahr als Underdog mit seinem »Regenbogen-Zeckenrap« ins egobelastete Moment of Truth, überzeugte und steckte sich kurzerhand den Auftritt beim splash! ein. Nun ist Räuberleiter da, ein Release, bei dem Herr Goldstein kein Interview ungenutzt lässt, um zu betonen, dass es sich hierbei um kein Debütalbum, sondern um ein Mixtape/Straßenalbum/whatever handelt. Darauf präsentiert er einen Querschnitt aus seinem Leben, mit Tracks, die dringend eine Studio-Version verdient hatten und solchen, die es nun in der dritten Version gibt. Den roten Faden zwischen einzelnen Tracks fehlt bisweilen (deswegen vielleicht doch: kein Album), ist aber nicht schlimm, weil das Ganze leichtfüßig und gleichzeitig so clever daherkommt.
 


Chefket: »Rap & Soul« aus dem Album Nachtmensch

Als ich den Eintrag vorbereitete, kam neben dem nichtendenden Promo-Rummel um das MoTrip-Album die nächste Eilmeldung und brachte meinen Twitter-Feed zum explodieren: Lieblingsrapper Chefket releast ein neues Album. Es wird Nachtmensch heißen und erscheint im August. Dann bekommt mein Bachelor-Mantra »Jeder macht mal Fehler – außer mir. Ich sammle bloß Erfahrung« einen würdigen Nachfolger und ich kann mich hibbelig auf ein weiteres persönliches Fest in diesem Jahr freuen.

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07.07.2015

Mein Lieblingsband-Frontsänger Paul Smith aus Newcastle hat ein neues Solo-Album in der Tasche und jüngst ein Musikvideo veröffentlicht, das sich der Rotoskopie-Technik bedient, die auch schon in ähnlicher Form im Vorspann von Juno vom Studio Smith&Lee verwendet wurde und deswegen ja irgendwie so 2007 rüberkommt (ein schönes Making-Of ist übrigens auf deren Internetseite zu finden). Anyway, I love it!


Paul Smith and the Intimations – Break Me Down

Maxïmo Park (die Gruppe, mit der Smith überhaupt bekannt geworden ist) gehörte zu den Bands, die ich in meiner Teenagerzeit (wie so viele) gerne hörte (Stichwort: Klasse von 2005 – der Musikexpress nimmt sich in einem schönen Spezial in der aktuellen Ausgabe dieser Thematik an), ist aber eine der wenigen, die mich seit damals immer noch begleiten – wie ein konserviertes Stück Pubertät, das sich mit mir weiterentwickelt. Vielleicht wachsen sie mir auch deswegen so sehr ans Herz, weil die Kritiker die letzten Alben durchschnittlich, mitunter auch langweilig, nannten (das bestätigt die Bindung zu der Kunsthochschulabsolventen-Band eher, als sie zu lösen). Zudem gibt es an öden Tagen nichts Besseres, als Interviews mit Paul Smith anzuschauen – er ist witzig, charmant & eloquent, der perfekte Interviewpartner.

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30.06.2015

appletree garden

marktausflug

familienausflug

Kaum 27° und schon rastet mein Kopf aus und erinnert mich daran, dass ich weder meine Festivalsaison noch die wirkliche notwendige Heimfahrt nach Spanien geplant habe. Das Appletree Garden Festival ist für mich das schönste Festival (des Nordens? Deutschlands? der Welt?) – selbst in Momenten, in denen man gerade in den Schlamm gefallen ist oder aufgrund eines Gewitters vom Campingplatz runter und ab in die Scheune evakuiert wird. Ticketkauf hab ich in diesem Jahr aufgrund des Unwissens, in welchem europäischen Land man gerade sein wird, trotzdem verbummelt und werde mich darum in diesem Jahr auf die Suche nach einem aus zweiter Hand begeben.

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05.06.2015

Eins der interessantesten Dinge (wirklich!) daran, einen Freiwilligendienst zu absolvieren, ist, dass man wieder so viel mit jungen Menschen zu tun hat, die gerade erst die Schule beendet haben. Es ist so eine aufregende Zeit! Alles ist so neu: Rezepte in der eigenen Küche ausprobieren, Mitbewohner haben, die nicht mit einem verwandt sind, Kommen und Gehen können, wie und wann man will, und schließlich der ganze (und in Frankreich noch tausendmal mehr nervige) Papierkram, den man nun selber erledigen muss…
Es ist aber auch eine Zeit, in der man ein bisschen an dem Menschen feilt, zu dem man werden möchte, mit allen Selbstzweifeln, Fragestellungen und Tiefen, die dazugehören. Viele meiner Mitfreiwilligen sehen noch rat- und planlos in die Zukunft und sehen die Zeit hier als wirkliches Selbstfindungsjahr, während andere schon ziemlich konkrete Vorstellungen haben, die meist überhaupt nichts mit dem Kulturbetrieb zu tun haben.
Während wir auf unserem ersten deutsch-französischen Einführungsseminar feststellten, dass die meisten der französischen Freiwilligen bereits irgendetwas studiert hatten, sah das bei den deutschen Freiwilligen komplett anders aus – ein Orientierungsjahr nach dem Abitur ist für viele junge Deutsche etwas ganz Normales.

gewagt
gewagt – Die Zukunftsbroschüre vom Projekt Lebenswege.

In meinen letzten Wochen in Braunschweig landete ein recht ramponiertes Päckchen in meinem Briefkasten. gewagt, ein Heft, mit Geschichten über Menschen, die ihren Lebensweg ziemlich unbeirrt gegangen sind, sich haben ablenken lassen, sich erstmal treiben ließen. Entdeckt hatte ich das Ganze über Crowdfunding: Es ist komisch und schön, seinen eigenen Namen im Impressum lesen können, nur weil man eine Idee mitfinanziert hat, die einen begeistert hat.

Die jungen Freiwilligen zu beobachten ist auch deswegen spannend, weil sie sich in diesem einen Jahr jeden Tag ein wenig mehr finden. Weil sie zum ersten Mal eigene Projekte organisieren (wie beispielsweise unsere Tage der deutsch-französischen Freundschaft), zum ersten Mal richtig arbeiten gehen und jeden Tag ein Stückchen an sich selber wachsen. Genau aus diesem Grund habe ich alle meine Mitfreiwilligen im deutsch-franzöischen Freiwilligendienst der Kultur interviewt und in ihren jeweiligen Einsatzstellen besucht. Die Berichte werden nun Stück für Stück im Blog unseres Trägers, des Kulturbüros Rheinland-Pfalz, veröffentlicht.

Die Lebensgeschichten aus der wunderbaren Zukunftsbroschüre „gewagt“ kann man übrigens auch online lesen – auch wenn ich die Papierversion lieber mag, in der man noch vorm Schlafengehen stöbern kann. Meinen Freiwilligen habe ich übrigens zu Weihnachten jedem eins in die Hand gedrückt – und ich bin jetzt schon so gespannt, wo ihre eigenen Wege hinlaufen mögen.

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11.02.2015

alltagssocken

Alltagssocken.

Ich mag es nicht, dass die Bloggerwelt oft alles Eckige, Raue glättet, aufhübscht und die Kanten verwischt, dass meist nur vom Schönen, dem Besonderen, dem Moment und dem Lächeln gesprochen wird; aber trotzdem mache ich es doch meist genauso. Kein Platz Im Netz für traurige Gedanken oder die dunklen Momente.

Nach Weihnachten hatte ich so einen dunklen Moment. Als ich um 6 Uhr morgens aus dem Fernbus stieg, lag tiefster Nebel über den Straßen. In den nächsten Tagen war die Stadt unter einer grauen Wolkendecke verschwunden, Regen gehört zu dieser Stadt wie der tägliche Gang zur boulangerie und obwohl ich mich mittlerweile an beides gewöhnt habe, werde ich ersteren doch nie mögen können. Trotz Thermo-Unterwäsche im Koffer und warmen (und bequemen!) Winterstiefeln an meinen Füßen, die mich durch die langen Abende an der Empfangstheke des Kunstvereins bringen sollten, hätte ich meinen Aufenthalt in der Heimat am liebsten noch um das Doppelte verlängert. Weil ich mich so nach etwas Warmen, Weichem sehnte, das mein Heimweh stopfen könnte, schwänzte ich kurzerhand meinen Sprachkurs, packte meine Stricknadeln ein und verschwand ins Caf&Co (das wohl sympathische Café in Dijon und längst ein deutscher Treffpunkt), um dort abends um sechs in einer Runde talentierter, französischer Damen Maschen à l’envers und à l’endroit zu stricken, Wollknäuel und fertige Projekte zu bewundern, heiße Fairtrade-Schokolade zu trinken und meine Seele zu balsamieren. Weiterlesen …

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09.12.2014

Eigentlich mag ich in diesem Jahr nichts mehr geschenkt bekommen, hat sich doch schon so viel (Nicht-Materielles) erfüllt und die größte Frage bleibt ja eh immer: »Wie transportiere ich das jetzt nach Deutschland?«, beziehungsweise »Nehme ich das wirklich wieder mit nach Frankreich?«.
Seit Christoph jedoch seine geheime Wunschliste veröffentlicht hat, fällt mir auch immer mehr auf, wie seltsam meine – im Mobiltelefon, auf kleinen Zettelchen und im Internet – gesammelten Wünsche für Außenstehende wirken müssen. Demnach sehe ich nämlich wohl wie ein kleiner Alm-Öhi aus, der es sich demnächst in einer Hütte in den Alpen bequem macht.

— ein Paar bequeme Schuhe
— eine Trinkflasche aus Edelstahl
— Thermounterwäsche
— eine Thermoskanne
— eine Regenjacke
— ein Wasserpinsel (so ein praktisches Ding, wo das Wasser sich gleich im Pinsel befindet)
— ein USB-Stick
— Stickrahmen in verschiedenen Größen

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